Ein fast vergessener Erfolgsautor: Victor Clement

Heute sind seine Stücke bei uns nur noch Wenigen bekannt, aber zwanzig Jahre lang - von den Dreißigern bis in die Fünfzigerjahre - gingen sie über zahllose deutsche und ausländische Bühnen: Victor Clement war ein ausgesprochener Erfolgsautor.

Clement wurde 1901 in Budapest geboren, erwarb aber später die amerikanische Staatsbürgerschaft. Der promovierte Dr. jur. und Dr. der Staatswissenschaften hinterließ 24 Bühnenwerke und 8 Filmdrehbücher, außerdem Übersetzungen von Goethe- und Heinegedichten ins Ungarische (seine "Wintermärchen" - Übersetzung befindet sich in der Düsseldorfer Heine-Sammlung); auch Werke des deutsch schreibenden Ungarn Nikolaus Lenau hat Clement ins Ungarische übersetzt. Seine ersten Bühnenerfolge in Deutschland errang er mit "Das Märchen von der Fledermaus" und "Ball im Savoy", beide an der Berliner Tribüne uraufgeführt (1929 und 1931). Internationale Erfolge wurden "Fräulein Hexe" und "Der Vizekönig". Aber auch im ernsten Genre arbeitete Clement mit großem Echo: seine Dramatisierung von Joseph Roths Roman "Hiob - die Geschichte eines armen Mannes" wurde 1939 im Theatre Pigalle in der Inszenierung seines Halbbruders, Produzenten und Verlegers Paul Gordon uraufgeführt, der das Stück auch 1941 in New York zum ersten Mal in englischer Sprache inszenierte. In Deutschland wurde „Hiob" 1951 als Hörspiel mit Ida Ehre in einer Hauptrolle vom NWDR produziert.

Unter besonderen Umständen kam Clements Drama "Marseillaise" während des Zweiten Weltkriegs heraus: Paul Gordon produzierte das Stück gemeinsam mit der amerikanischen Vereinigung "France Forever" (The Free French Movement in America), die sich die Befreiung Frankreichs von der nationalsozialistischen Besatzungsmacht zum Ziel gesetzt hatte. Im Ehrenausschuss von "France Forever" finden sich große Namen wie Thomas Mann, Jacques Deval, Charles Boyer, Melvin Douglas, Adolphe Menjou, Mary Pickford, Edward G. Robinson, Ginger Rogers, Jack Warner, Cary Grant, Walt Disney, Ronald Colman, Claudette Colbert, um nur einige zu nennen, sowie führende Persönlichkeiten Amerikas aus Politik, Wissenschaft und Kirche.

Die Uraufführung fand am 16. Januar 1943 als große Galaveranstaltung zu Gunsten von General de Gaulle und seiner Exilregierung statt, und zwar in Los Angeles. Albert Einstein schrieb einen Beitrag fürs Programmheft, Michele Morgan verfasste einen Prolog, den sie selbst vortrug, und Regie führte kein Geringerer als Leopold Jessner, der große Regisseur und ehemalige Generalintendant des Schauspielhauses am Gendarmenmarkt Berlin. Das Drama kam anschließend am Broadway heraus; in Deutschland wurde es zuerst 1951 am Schiffbauerdammtheater gespielt (Berlin).

Noch zu nennen von Clements Werken wären die musikalische Komödie "Stumme Serenade" mit der Musik von Erich Wolfgang Korngold, 1955 an den Städtischen Bühnen Dortmund uraufgeführt, die Satire "Der Ehrenbürger", 1963 am Berliner Hansatheater herausgebracht (Paul Esser); das psychologische Drama "Anklage gegen Amanda Smith?", 1964 an den Hamburger Kammerspielen uraufgeführt.

Clements Lustspiel „Der Vizekönig" wurde 1936 uraufgeführt; die weibliche Hauptrolle spielte Herta Feiler, den Versicherungsagenten Szöke Szakall. Diese Rolle entdeckte später noch mancher große Komiker für sich, so Rudolf Bernhard 1961 im Züricher Bernhard-Theater und Heinz Erhardt 1962 in Hamburg. Erhardt war von Stück und Rolle so begeistert, dass er nicht nur damit auf Deutschlandtournee ging, sondern das Stück auch für sich bearbeitete. Er hat es jedoch nicht mehr selber spielen können, so dass die Neusser Aufführung - unter dem neuen Titel "Der Ferienkönig" - die Uraufführung dieser Bearbeitung darstellte.

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